Veröffentlichungen in der Recklinghäuser Zeitung 2015

Freitag, 06. November 2015 (Dorfleben Suderwich / Essel)
Durchs wilde Suderwich

Samstag, 05. September 2015 (Dorfleben Suderwich / Essel)
Mit Kupferschorsch "opn' Kapp"

Freitag, 22. Mai 2015 (Dorfleben Suderwich / Essel)
Als es im Dorf noch keine Ärzte gab

Samstag, 28. Februar 2015 (Dorfleben Suderwich / Essel)
Selbstbewusster Freigeist

Mittwoch, 08. April 2015
Pest tötet jeden Zweiten


 

Mit Kupferschorsch "opn' Kapp"

Zwischen Suderwich und Essel befand sich eine alte Postroute von Berlin nach Kleve

Er ist unscheinbar. Der Autofahrer, der zwischen Essel und Suderwich pendelt, nimmt allenfalls das steinerne Kreuz wahr, das eine sehr alte Kreuzung auf dem Esseler Knapp markiert. Der Weg, der mein Interesse geweckt hatte, heißt "Opn' Kapp". So wird er bei Google Maps und auch auf Landkarten aus dem 19. Jahrhundert benannt.


Das Kreuz gehört zu einem Prozessionsweg, der über die alte Postroute verläuft.

Er gehörte zur alten Postroute, die 1646 vom Brandenburgischen Kurfürsten eingerichtet wurde.
Sie reichte von Berlin bis nach Kleve, das damals ebenfalls brandenburgisch war. In Horneburg, wo die kurkölnische Verwaltung mit Namen Oberkellnerei saß, wurde eine Poststation eingerichtet.
Der Weg ist wahrscheinlich ein alter Handelsweg, und es ist gut möglich, dass er schon von den Römern benutzt wurde.

Man muss versuchen, sich unsere Landschaft vorzustellen, ehe der Bergbau alles trockengelegt hat. Hier war es zum Teil sehr sumpfig. Der Postweg befindet sich auf dem Recklinghäuser Höhenrücken, der eine Wasserscheide von Emscher und Lippe ist.
Die Postroute ging von Essel direkt weiter nach Marl.
So komisch, wie es sich auch anhört, mied man die Vestische Hauptstadt Recklinghausen. Die als Halbinsel gefürchtete Stadt ließen viele wegen ihrer morastigen Umgegend im wahrsten Sinne des Wortes links liegen. Deshalb wundert es nicht, dass der „Abenteuerlichen Simplizissimus“ von 1668 zwar unter anderem in Dorsten spielt, aber nicht in Recklinghausen. Nur in einer Ausgabe aus den 1950er Jahren kommt unsere Stadt vor, in der Simplex über die Stadtmauer klettert, um ein Brot zu stehlen.

Aber der Abschnitt des Weges, von dem ich berichte, hatte auch nicht den besten Ruf. Im Dezember 1728 hatte sich die Regierung in Kleve beim Vestischen Statthalter darüber beschwert, „… daß zufolge des schlechten Wegezustandes die Post immer verspätet in Berlin einträfe, so daß die Anschlüsse nach Königsberg und Breslau dadurch in Unordnung kämen. Man sollte auch in Marl und auf der Horneburg endlich mal richtiggehende Uhren anschaffen!“ Im September 1773 meldete Oberkellner Rive dem Kölner Kurfürsten: „Die Wege bei Horneburg wären in solchem Umstand, daß selbe sogar zu Fuß inpraktikabel seien.“

Ich vermutete, dass man noch Spuren aus der alten Zeit finden kann und erinnerte mich an einen Sondengänger, dem ich einmal bei meiner Recherchearbeit in der Haard begegnet bin. Ich hatte mir seinerzeit seine Telefonnummer aufgeschrieben. Tatsächlich erreiche ich ihn. Der Schatzsucher möchte seinen Namen nicht preisgeben, deshalb nennen wir ihn „Kupferschorsch“. Schorsch hat bisher viele kupferne Dinge gefunden. Das ist der Grund, warum er sich selber so nennt.
Doch so einfach konnte ich ihn nicht für die Suche an einem Feldweg begeistern. So musste ich eine kleine Geschichte erfinden: „Schorsch“, sagte ich, „im Dreißigjährigem Krieg haben die Hessen, als sie von den Kaiserlichen gejagt wurden, irgendwo hier am Weg die Kriegskasse vergraben.“ Das war das Zauberwort für Kupferschorsch.


Stumme Zeitzeugen

Die Kriegskasse haben wir nicht ausgraben können. Auch keine Recklinghäuser Pfennige, auf die ich in Wirklichkeit spekuliert habe. Kupferschorsch hat nicht einmal Kupfer gefunden, sondern nur Eisen. Wir haben zusammen gerätselt, was die Artefakte, die wir gefunden haben, wohl mal gewesen sein könnten. Eine geschmiedete Öse von einem Ackergerät, eine altertümliche Radkappe mit Schmiernippel und die Achse eines Windrades, das früher eine Pumpe angetrieben hat. Eisenschorsch, wie ich ihn jetzt nenne, war nicht nur enttäuscht, wir hatten auch unseren Spaß, ganz ehrlich.


INFO:
Teile des Lohwegs und Hochfelds gehörten ebenfalls zum Postweg. Wer den kurzen und fast vergessenen Weg abgehen möchte, biegt von Suderwich aus gesehen rechts vor dem Steinkreuz ab. In ca. einem Kilometer Entfernung befindet sich ein zweites Kreuz, hier ging der Weg rechts weiter bis zum Hochfeld und schließlich links Richtung Horneburg.

INFO
Schatzsuche per Metalldetektor

Die Schatzsuche bewegt sich in NRW in einer Grauzone. Man darf verlorengegangene Dinge mit dem Detektor suchen, aber nicht nach ihnen graben. Dafür muss man sich Genehmigungen von dem jeweiligen Besitzer einholen. Bei den Archäologen haben Sondengänger den Ruf von Räubern. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass z.B. die Himmelsscheibe von Nebra und das Schlachtfeld des Varus bei Kalkriese ohne Schatzsucher vermutlich nie gefunden worden wären.


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Als es im Dorf noch keine Ärzte gab

Volksweisheiten und Selbsthilfe im 18. Jahrhundert

Die erste Apotheke in Suderwich, die Engelapotheke, wird 1908 von Herrn von Steuben eröffnet. Zuvor müssen die Suderwicher und Esseler Bürger entweder mit dem Pferdewagen fahren oder zu Fuß nach Recklinghausen wandern, um eine Apotheke zu erreichen. Doch was machten die Dörfler im 18. Jahrhundert?


Fast nicht mehr leserlich, aber hoch interessant:
Das Rezeptheft aus dem Jahr 1740.

Im gesamten Vest gibt es weder Ärzte noch Apotheken und der nächste studierte Medicus praktiziert im weit entfernten Wesel. Zu den Entfernungen kommen noch die momentanen politischen Verhältnisse hinzu, die zusätzlich für Umwege sorgen können.

Zähne zieht in der Regel der Henker

Hier helfen nur Beziehungen: vielleicht hat der eine oder andere Verwandtschaft im Märkischen oder in der Grafschaft Dortmund, doch das sind Ausnahmen.
Selbst wenn der Patient den weiten Transport überlebt, sind neben Kost und Logis immense Kosten für die Behandlung zu entrichten, die sich kaum ein Suderwicher oder Esseler leisten kann.

Für chirurgische Behandlungen oder um Zähne ziehen zu lassen, sucht man einen Henker auf, der ist preiswerter. Der nächste Scharfrichter, der sich gut in der Anatomie auskennt, wohnt in der Nähe seiner Hauptarbeitsstätte, der Horneburg. Andere schwören auf den Henker von Recklinghausen oder Buer.

Und die anderen Wehwehchen? Es bleibt nur die Selbsthilfe. Die Leute legen Kräutergärten an. Seit Jahrhunderten sammeln sie Erfahrungen und tauschen sich untereinander aus. Viel wird mündlich weitergegeben, weil kaum jemand schreiben kann.
Doch es gibt Ausnahmen. Ein erhaltenes Rezeptheft aus dem Jahre 1740 berichtet uns heute über das einstige Heilwissen der hiesigen Dorfbewohner. Es erzählt über die Wirksamkeit von Eichenrinde, Fenchel, Knoblauch, Kamille, Lavendel, Melisse, Rosmarin, Salbei, Thymian, Wacholder und Wermut.

Gegen Wassersucht: „nim grüne Eychenblätter, thue die selbige in einen neuen Topf, setze den in einen Ofen mit brodt bis das gahr ist, alsdann reibe die Blätter klein und thue sie in eine schüssel, grabe sie in die erde für 24 Stunden und laß den kranken mit wasser das trinken, es hilft!“ Ein wenig seltsamer: „bei reißender gicht nimb von einem einjährigen stier die haar von allen vier fuessen, verbrenne das zu pulver un nimb es mit beliebigen getränk ein.“
Gegen Bauchweh wird empfohlen: „wen ein mensch zu thun hat mit dem stulgang, der nehme geißverschnitt, trinke das in milch, das hilft.“ Gegen Bettnässen gibt es Folgendes: „wer den harn nit halten kann des nachts, der nehme geißendreck oder ziegenbohnen, brenne das zu pulver un wen du nachts zu beth gehst, thu das pulver in einen becher mit frischem wasser un trink einen starken thrunk oder vier, es vergeht dir!“

Bei Husten hilft Feldrübe mit Honig

Bei Husten: „bei husten nehme man eine feldrübe, schele die ab, mache ein loch oben, darein füll es mit honig, laß es 24 Stunden stehn, so wird der honig zu wasser, un trink das lauwarm.
Und noch ein paar Tipps: weiß-lilgen-wasser ist gut für die augen, lawendelwasser ist gut bei podraga (Gicht). blaulilgenwasser hilft bei fieber, rotwassersucht, lebersucht, gelbsucht und darmgicht, bei allen wunden und krebß, das heilt schön und bald!“

Es existieren auch Rezepte für Tiere. Hier eine kleine Kostprobe: „hatt ein pferd blödt gesicht, so nim wicken un iß, so du geschlafen hast des morgens so ihrer sechs gar wohl, speie ihm den brei in die augen un wasche ihm des anderen tags mit frischem brunnenwasser wieder auß.“
Bevor Sie es ausprobieren, fragen Sie Ihren Arzt, Tierarzt oder Apotheker.


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Selbstbewusster Freigeist

Großgrundbesitzerin Franziska Ehling hat immer auch an "ihre Suderwicher" gedacht

"Ehlingstraße" - fast jeder kennt den Straßennamen, der einen alteingesessenen Familiennamen aus Suderwich ehrt.
Dass die Straße nicht „Franziska Ehling Straße“ heißt, mag aus diplomatischen Gründen geschehen sein. Wollte man doch bei der Namensgebung die ganze Familie sowie deren Vorfahren ehren. Eine Diplomatie allerdings, die genau zu Franziska Ehling gepasst hätte.

Der christlichen und wohlhabenden Hofbesitzerin wird ein großes soziales Engagement nachgesagt. Sie hat immer ein offenes Ohr für die Nöte „ihrer Suderwicher“. Bei Fragen des kirchlichen oder gesellschaftlichen Lebens will sie unbedingt mitreden und mitentscheiden, was für eine Frau des 19ten Jahrhunderts keine Selbstverständlichkeit ist und für Franziskas starkes Selbstbewusstsein spricht.

1881 stellt die junge Witwe und Mutter zweier Kinder Kaplan Köper als Hauslehrer ein. Die Kinder besuchen jedoch gleichzeitig die Suderwicher Volksschule. Der Hauptgrund der Einstellung des Hauslehrers ist ein politischer Schachzug der taffen Großgrundbezitzerin.
Seit 1872 währt der Kulturkampf in Preußen und Suderwich ist seit 1877 ohne Pfarrer.

Mit der Einstellung des Hauskaplans unterläuft Franziska den staatlichen Eingriff und ermöglicht damit ihren Suderwichern wieder, ihre Gottesdienste vor Ort besuchen zu können. Landrat Freiherr von Reitzenstein, der zu ihrem Freundeskreis zählt und sich als Protestant auch für die Katholiken stark macht, duldet Franziskas cleveren Schachzug und beruhigt damit die aufgebrachten, hauptsächlich katholischen Suderwicher.

Genau wie Reitzenstein, lässt sich auch Franziska Ehling in keine konfessionelle Enge treiben. Trotz des Kirchenstreits zwischen Otto von Bismarck und Papst Pius IX bleibt die strenge Katholikin kaisertreu, besucht das Lieblingsbad des Kaisers - Bad Ems und schreibt einen Brief an ihn in eigener Sache, als der Ehlingsche Besitz durch Straßenbauten zerschnitten werden soll.

Franziska Ehling wurde am 12.03.1848 auf dem Dobbeling-Hof geboren. Der Hof wird erstmals 1457 urkundlich erwähnt und ist einer der drei Schultenhöfe in Suderwich, auf dem das Holzgericht mindestens einmal jährlich tagt. Nicht nur, um Holzdiebe abzuurteilen sondern auch, um über die Nutzung der Suderwicher Mark zu verhandeln.

Franziska Dobbeling heiratet am 23.05.1871 Clemens August Ehling und bringt als letzte Namensgeberin ihren Hof in den Ehlingschen Besitz ein. Durch andere eingeheiratete Familien zählt der Gutshof mittlerweile zu den bedeutendsten in Suderwich. Sie bekommt zwei Kinder, Franziska 1871 und August 1872. Mit 30 Jahren und nach nur sieben Jahren Ehe ist Franziska Ehling Witwe. Nun muss sie den riesigen Hof alleine bewirtschaften. Sie bewältigt die Aufgabe indem sie einen Verwalter und eine Hausdame einstellt. Selbstbewusst und energisch wie Franziska ist, behält sie die Gesamtleitung fest in ihren Händen.

1901 greift die Gutsherrin noch einmal in einen Streit ein. Diesmal sind die Kontrahenten nicht so mächtig. Es sind ihre Suderwicher, die sich über den Bauplatz der neuen St. Johannes-Kirche streiten.
Die großmütige Diplomatin bietet ihr Grundstück als Geschenk an. Das Grundstück, auf dem einst der Dobbeling-Hof stand, wird mit Freuden angenommen. — Neben der kaiserlichen Post mit Wohnhaus für die Postler, ließ Franziska auch das erste größere Kaufhaus in Suderwich bauen, auf das “ihre Suderwicher“ sehr stolz waren. Franziska Ehling starb am 29.11.1926.




Eine Frau mit einem eigenen Kopf und
einem großen Herzen: Franziska Ehling

INFO

Die Ehling-Kinder

Die Tochter, Franziska Ehling, starb am 30.06. 1899 und wurde nur 27 Jahre alt. Ihre Mutter machte zwei Pilgerreisen, eine nach Lourdes und eine nach Rom. Ob diese Pilgerreisen mit der Tochter in Verbindung standen, ist ungewiss.

Ihrem Sohn und Hoferben, August Ehling, ließ die Mutter eine erstklassige Fach- und Allgemeinbildung zukommen, sodass er bald die Leitung des Gutshofes übernehmen konnte. Er übernahm verschiedene Ämter und war lange Zeit Gemeindevorsteher von Suderwich. So hatte auch August zum Wohle des Heimatortes mitgewirkt. Er starb am 02.10. 1957 als 83 – Jähriger.



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Pest tötet jeden Zweiten

1634/35 wütet der Schwarze Tod in der Stadt / Hessische Soldaten gelten als Überträger

Recklinghausen. In den vergangenen Monaten tötete der Ebola-Erreger in Afrika Tausende Menschen. Vor 380 Jahren wütete in Recklinghausen eine Epidemie, die jeden zweiten Bewohner dahinraffte. 1500 Recklinghäuser starben in den Jahren 1634 und 1635 am schwarzen Tod.




Pest-Doktor mit Schnabelmaske. 1656


Schuld an der raschen Verbreitung der Pest in Mitteleuropa ist damals vor allem der Dreißigjährige Krieg. Überallhin verschleppen Soldaten und mit ihnen ziehenden Flöhe die hochgradig ansteckende Infektionskrankheit.
In Recklinghausen sind es wohl Hessen, die das Bakterium Yersinia pestis unter die Leute bringen. Im September 1634 sterben plötzlich viele von ihnen an der Pest. Die Stadt stellt den Hessen die Särge. Dann sterben auch die ersten Recklinghäuser.
Die Stadtmauer kann trotz Kriegszeiten kaum noch geschützt werden, für jedes Tor sind acht Bürgerrotten geplant. Mehr als fünf Rotten bekommt man nicht mehr zusammen. Wahrscheinlich ist die Stärke der einzelnen Rotten (bis zu 12 Mann) ebenfalls gekürzt worden. Die Stadt beliefert die armen Familien mit Särgen, neben Essensspenden kann sie nicht viel tun. Durch Almosen und fromme Stiftungen will man den Zorn des Himmels besänftigen. Überall in Deutschland werden in Pestzeiten Prozessionen gestiftet, wie auch in Recklinghausen die Rochus - Prozession, die über die Rochustraße führt. Davon, dass eine Prozession die Ansteckungsgefahr noch erhöht, ahnt noch niemand etwas. In Venedig, wo man schon mehr Erfahrung mit dieser Epidemie gesammelt hat, werden deshalb Prozessionen verboten. Der Legende nach soll Rochus anderen und sich selbst von der Pest geheilt haben. 

Die Stadt richtet eine Bittschrift an den Landgrafen von Hessen, in der gesagt wird, dass in etlichen Gassen kein Haus davon (d.h. von der Pest) erhoben und die Menschen haufenweise sterben.
»… 1635 hat die grausame Pestilität dieses Stätleins abgang in großem theile causieret, dae wir vorhin ahn burgeren ad … « (Hier sind die Zahlen später geändert worden.) In einer Nachricht des städtischen Rentmeisters heißt es weiter:
   »… 1500 Personen an der Kontagion hingestorben und viele verwichen sind.« 

Von den zehn Ratsherren sterben fünf. In vielen Häusern rufen die Leute ihre Testamente aus den Fenstern. Die dafür notwendigen Zeugen stehen auf der Straße und hören von hier, was der letzte Wille des Testators ist. Bürger, die sich zu den Kranken hin trauen, um zu helfen, werden natürlich im Testament bedacht. An den Straßenkreuzungen brennen Feuer, um die Luft zu reinigen. Die Haut der Kranken verfärbt sich blauschwarz, weshalb die Leute ihn den Schwarzen Tod nennen. Wahrscheinlich werden die meisten Toten vor den Toren verbrannt.

Besonders hilfreich sind die Franziskaner aus Dorsten und Dortmund, die sich seit 1632 in Recklinghausen aufhalten. Die Ordensbrüder kümmern sich sehr um die Pflege und Seelennöte der Kranken. Nicht jeder ist so selbstlos und besitzt die Kraft dafür. Der Pastor ist nach Köln geflohen. Bei einer anderen Pestepidemie sind sogar die beiden Bürgermeister geflohen. Während der eine nach Oer geht, findet der andere Zuflucht in Suderwich. Schließlich bittet der Rat den Bürgermeister in Suderwich, er möge doch wenigstens zum Kunibertitor kommen, um das Wichtigste zu bereden.
Die Mönche sind mutiger: Es sind jedoch zu wenige Franziskaner für so viel Leid vor Ort. Als sie von den Hessen aus Dorsten vertrieben wurden, gingen nur einige von ihnen nach Recklinghausen. Diese Ordensbrüder gründen später das Franziskanerkloster.
Die weltlichen und kirchlichen Autoritäten büßen Macht ein. Statt eines Pestpogroms, das sich gegen Randgruppen wie Juden und fahrende Händler richtet, macht man Jagd auf Hessen.

INFO

Wie oft in Recklinghausen die Pest ausbrach ist nicht genau bekannt.
Es gibt Berichte aus den Jahren 1582, 1599, 1630, 1634/35. 1615 musste ein Heinrich Klute die Stadt verlassen, der Pestkrank gewesen sein soll. Aus dieser Zeit gibt es auch Meldungen, dass sich die Pest in verschiedenen Bauernschaften ausgebreitet hatte. Aus der Suderwicher Heide wurde bekannt, dass auf dem Flögel-Hof der Besitzer, seine Frau und dessen drei Töchter der Pest zum Opfer fiel.

Ob es tatsächlich immer die Pest war, ist heute umstritten. Pest heißt nichts anderes als Seuche. Manche Krankheitsbeschreibungen aus dem Mittelalter können ebenso auf Pocken, Fleckfieber, Cholera, etc. hinweisen. Die Pest kommt ursprünglich aus Asien und wird durch den Rattenfloh übertragen. Erst wenn die Ratten sterben, suchen sich die Flöhe den Menschen als Wirt aus.

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